Warum Minimalismus der Generalschlüssel zu mehr Freude in deinem Leben sein kann

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“The things you own end up owning you” hat Brad Pitt im Film Fight Club gesagt. Als Minimalistin macht der Satz für mich voll Sinn. Alles, was du besitzt – angeblich um die 10.000 Dinge pro “Durchschnittsmensch” in Europa – besitzt dich. Wir Menschen geben unseren Besitztümern nämlich öfters mehr Meaning als unserer Gesundheit, unserer persönlichen Weiterentwicklung oder unseren wahren Leidenschaften. Minimalist*innen brechen aus diesem Muster aus und erfinden sich sozusagen komplett neu. Aber wait a second. Wann ist ein*e Minimalist*in ein*e Minimalist*in? Warum brauchen wir alle ein bissl mehr Minimalismus im Leben und wann geht der #minimallifestyle zu weit? 

Was bedeutet Minimalismus eigentlich?

Eine allgemeingültige Definition zum Begriff Minimalismus gibts streng genommen nicht. Fragt man den Duden, so versteht sich Minimalismus als eine bewusste Reduktion auf das Wesentliche. Was “das Wesentliche” ist? Hard to say, schließlich lebt und denkt jeder Mensch komplett anders. Deshalb kann man Minimalist*innen auch nicht gleichsetzen, aber dazu mehr in a minute!

Wenns nach mir ginge, würd ich sagen: Minimalismus ist eine wachsende Bewegung, ein flüchtiger Trend, eine Lebens(phasen)einstellung und 24/7 Geisteshaltung zugleich. Manchmal ist es auch ein Tool, das dir zur geistigen und physischen Freiheit verhelfen und dir quasi einen Weg zu mehr Freude im Leben freischaufeln kann. Been there!

Wann ist ein*e Minimalist*in?

Du wirst zum/zur Minimalist*in, wenn du in ultra spartanisch eingerichteten Wohnungen mit kahlen Wänden ohne Deko haust, nur schwarze Kleidung trägst, Däumchen drehst und nix außer Luft und Liebe konsumiert. Halt, Stop! Ich mach aus einem Vorurteil nur einen (really bad) joke.

SO unterschiedlich sind wir Minimalist*innen

Vom #minimallifestyle gibts so viele verschiedene Eckpfeiler, dass man Minimalist*innen nicht in einen Topf werfen kann. Echt jetzt: Die Minimalismus Trends und die daraus resultierenden Minimalist*innen sind mega vielfältig!

© Romy

Da gibts zum Beispiel die berühmte Marie Kondo Welle, deren Anhänger*innen sich auf Minimalismus im Kleiderschrank fokussieren und dabei, ganz Marie Kondo like, fancy Falttechniken erlernen und ihre Shirts nach Farben und Saison ordnen. Die Dame hat ganz nebenbei auch noch eine passende Doku-Serie auf Netflix erhalten, was vielleicht auch zum #minimalismus-Trend beigetragen hat.

Dann gibts die Konsumverweiger*innen, die so gut wie nur mehr das benutzen, was sie bereits besitzen. Zero Wastler*innen konzentrieren sich aufs Müllvermeiden und integrieren eine minimalistische Denkweise quasi automatisch in ihren Alltag. Manch andere Minimalist*innen decluttern nicht (nur) ihre Dinge, sondern ihre zwischenmenschlichen Beziehungen. Soll heißen: bye bye fake friends!

Last but not least gibts auch die gechillten Minimalist*innen, die auf wenigen Quadratmetern (Tiny House, Campervan oder hey, auch WG-Zimmer) wohnen und ihnen der minimale Platz zum Leben völlig reicht (me in a hecking warm and cozy nutshell).

via unsplash

Minimalismus auf Social Media – big, bigger, #minimalism

Minimalismus macht in sozialen Medien, ganz besonders auf Insta und TikTok, nicht Halt. Auf Instagram türmen sich liebevoll gestaltete Profile von Minimalist*innen, unterschiedlichste #minimalism Hashtags, Tipps und Tricks für ein minimalistisches Leben und haufenweise Quotes wie “all you need is less”. Mein fav auf Instagram ist übrigens @healyourliving. Die “Extreme Minimalistin” begeistert mich immer wieder mit super schönen Bildern und eben diesem minimalistischen vibe. Minimalismus schlägt auch auf TikTok immer größere Wellen.

 

@sabrina.sustainable.lifeliving a more minimalist lifestyle has been better for myself, my wallet and the planet 🌎 ##minimalist ##minimalism ##lowwaste ##ecofriendly♬ She Share Story (for Vlog) – 山口夕依

Wie viel Minimalismus geht und wann gehts zu weit?

Ich nehm zu dieser Frage jetzt absichtlich ein Extrembeispiel, und zwar die Miriam Lancewood. Sagt dir nix? Ok, dann schnall dich an: Die Holländerin hat sich vor einigen Jahren von ihrem Job als Lehrerin und ihrer gemütlichen Wohnung getrennt, um nur mit einem Rucksack und dem Notwendigsten ausgerüstet in die Wildnis Neuseelands zu ziehen. Sie lebt seit über zehn Jahren mit ihrem Mann in den weiten Wäldern dieser Welt, erlegt ihr Abendessen mit Pfeil und Bogen selbst (damn, girl!), kann so gut wie alle Tierlaute haargenau nachmachen und schläft in einem stinknormalen Zelt ohne Schnickschnack. Festes Schuhwerk hat sie auch keins, weil es sie einengt und sie lieber barfuß durch eiskalte Flüsse watet. Jap, not even kidding.

Aso, Instagram und Co. kennt sie wahrscheinlich auch nur vom Hörensagen. Sie hat ja kein Smartphone. Auch kein Klapphandy. Ich frage mich, ob sie ein Walkie-Talkie hat…

Ist das jetzt too much Minimalismus? Für dich vielleicht, für mich vielleicht auch – aber nicht für die Frau Lancewood, weil die findets geil.

© Romy

Von 80 Quadratmeter auf sechs

Auch ich bin ein Beispiel, das man gut und gerne als “too much” bezeichnen könnte. 2017 habe ich meine Mietwohnung und meinen Job in Wien aufgegeben, um in einen Camper zu ziehen. Meine sieben Sachen (das muss man jetzt nicht wörtlich nehmen) habe ich auf vier Rädern (das schon eher) untergebracht und innerhalb von 12 Monaten gelernt, was es heißt, mit sehr wenigen Dingen auszukommen. Find ichs geil? F*ck yeah!

Für die einen ist weniger mehr, für die anderen ist’s too much

Zur Frage “Wann geht Minimalismus zu weit” hab ich sogar eine kleine Instagram-Story-Umfrage* gemacht. Überraschenderweise haben die meisten Leute dasselbe geschrieben, und zwar, dass Minimalismus zu weit geht, wenn es das Leben zu sehr einschränkt oder wenns zum Zwang wird.

Für mich war der Umzug in einen Camper kein Zwang. Eine Einschränkung schon, aber das wollt ich ja so. Steht also immer im Auge des Betrachters/der Betrachterin.

© Romy

Again: Everybody is different, and you do you! 

Und da das so ist, gibts auch keine universale Formel, wie viel Minimalismus man in sein Leben einflechten soll, kann, muss, darf.

Ich glaub, dass wir Minimalist*innen, so unterschiedlich wir Minimalismus auch in unserem Leben einsetzen, alle ein ähnliches Mindset haben und somit alle auf denselben Nenner kommen:

Wir wollen uns frei fühlen. Leichter. Glücklicher.

Jede*r kann von Minimalismus profitieren

Honestly, ich bin fest davon überzeugt, dass jeder Mensch ein bisserl Minimalismus im Alltag bzw. im Leben vertragen kann. Das heißt jetzt nicht, dass man von der 100 Quadratmeter Altbauwohnung in die Wildnis oder in ein Fahrzeug ziehen muss. Manchmal reichen auch diese sieben Schritte zu einem minimalistischen Lebensstil. Eventuell kann man sich schon viel freier fühlen, wenn man seine Sneaker Sammlung auflöst oder einfach mal a bissl runter vom Konsum-Gas tritt.

Die Moral von der Gschicht ist: Es is wurscht, welchen Weg in Richtung Minimalismus du gehst – Hauptsache es erleichtert, macht zufrieden(er) und einfach happier! Bei mir hats jedenfalls geklappt – wieso also auch nicht bei dir? 

Über Romy

Die freie Autorin aus Beverly Hietzing liebt charmante Altbauwohnungen, tauscht diese aber dennoch gegen wenige Quadratmeter auf vier Rädern ein. Menschenleere Platzerl an Seen sind ihr Zuhause, ein selbstgebauter Schreibtisch ihr Büro, Gelsen ihre Feinde und Kaffee ihr Frühstück. Manchmal auch Mittagessen. @mustardnhoney