Was hat es eigentlich mit Cosplay in Österreich auf sich?

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Seinen Ursprung findet Cosplay in Japan, doch das Phänomen wurde in den 1990er Jahren auch außerhalb von Asien Teil der Popkultur, und auch in Österreich findet es Anklang. Trotzdem können viele mit Cosplay noch immer nicht wirklich etwas anfangen. Anna und Julia, zwei Cosplayerinnen aus der Steiermark, haben uns deswegen für einen Tag mit in die Welt des Cosplay genommen und uns gezeigt, was es eigentlich mit Cosplay auf sich hat.

Was ist Cosplay überhaupt?

Cosplay ist eine aus dem Englischen kommende Zusammenstellung der Wörter “costume” (Verkleidung) und “play” (Spiel). Dabei stellt man häufig eine Figur aus einem Manga, Anime, Videospiel oder Film originalgetreu mit Kostüm und im Verhalten nach. Im Cosplay wird dann geshootet und an Events teilgenommen. Nebenbei sind die meisten Cosplayer*innen auch auf Social Media Plattformen wie Instagram und TikTok sehr aktiv. So auch Anna und Julia.

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Aber jetzt im Ernst: Wie erklärt ihr zum Beispiel eurer Oma, warum ihr das macht?

Anna lebt tatsächlich mit ihrer Oma zusammen und erzählt uns, wie sie ihrer eigenen Oma verständlich vermitteln konnte, warum zum Teufel sie so einem scheinbar verrückten Hobby nachgeht:

Anna zu ihrer Oma: “Oma, was war dein Lieblingsfilm, wie du circa in meinem Alter warst?”
– Oma: “Naja, der über die Kaiserin Sissi.”

Anna: “Gefällt dir das Kleid von der Sissi darin?” – Oma: “Ja schon.”

“Und die Haare?” – “Ja natürlich!”

“Hast du dir nicht irgendwann mal gedacht, dass du dich so herrichten möchtest. Nur für einen Tag? – “Ja schon.”

Anna: “Siehst du. Genauso geht’s mir. Nur, dass ich’s halt mehrere Tage im Jahr mache. Weil ich es eben mag.”

© BAM! | Katharina Koberger

“Es fühlt sich an, als wäre Cosplay genau das Hobby, auf das ich das ganze Leben lang gewartet hab“, so Julia.

Cosplay vereint für die beiden vieles, womit sie sich gerne in ihrer Freizeit beschäftigen: Fotografie, Make-Up, japanische Kultur und Videospiele.

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Wie sieht die Cosplay-Szene in Österreich aus? Gibt es überhaupt eine Community?

Natürlich ist Österreich ein kleines Land und es wird nie so viele Events wie in Deutschland oder in den USA geben, so Julia. “Aber ich war doch überrascht, dass es einige Leute gibt, und dass sie so offen sind. Das macht echt Spaß.”

Laut den beiden Cosplayer*innen ist die österreichische Szene größer als man annehmen würde. Die im Herbst stattfindende Vienna Comic Con, die es seit 2015 gibt, kann mit über 26.000 Besucher*innen mit deutschen Conventions durchaus mithalten.

 

Auch andere Events wie die AkiCon, HanamiCon, HaruCon, AniNite und die Comic Con Bodensee finden über ganz Österreich verteilt über das Jahr hinweg statt. Und das war nur eine kleine Auswahl.

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Wie entscheidet ihr euch für einen Charakter?

Charaktere werden aus ganz unterschiedlichen Gründen für das eigene Cosplay ausgewählt. Julia folgt dabei einer ganz speziellen Logik: “Wenn du sie nicht daten kannst, dann cosplaye sie”. Sie greift also häufig zu den Charakteren, die ihr vom Verhalten und von der Optik am besten gefallen, aber nicht zwingend ihren persönlichen Charakter widerspiegeln.

“If you can’t date them, cosplay them”

Neben Authentizität ist der Wohlfühlfaktor für Anna ausschlaggebend. “Wenn ich schon einige Stunden darin verbringe, dann muss ich mich auch einfach wohlfühlen können.”, meint sie.

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Let’s talk Money! Verdient ihr damit Geld?

Anna arbeitet in der Wellness- und Tourismus-Branche, Julia ist Visual Merchandiser. Mit Cosplay beschäftigen sich beide nur in ihrer Freizeit; sie verdienen damit derzeit kein Geld.

“Wir machen das nur als Hobby.”

“Es ist von Outfit zu Outfit unterschiedlich, aber 150€ für ein Cosplay ist meine Schmerzgrenze”, meint Anna. Durchschnittlich gibt sie zwischen 50 und 90€ für die Zusammenstellung eines Outfits aus. Hinzu kommen noch rund 30€ für Perücken, ein paar Euro für Kontaktlinsen und dann noch Ausgaben, um sich ein Repertoire an professioneller Theaterschminke und anderen Make-Up Produkten zuzulegen.

Laut den beiden macht derzeit kaum ein*e Cosplayer*in wirklich großes Geld in Österreich damit. Bezahlt werden jene Cosplayer*innen, die als professionelle Models für Fotoshootings gebucht werden oder zu Promotion-Zwecken für verschiedene Conventions und Events angestellt werden. “Mit Frozen 2 gibt es natürlich einen großen Bedarf an Elsas zum Beispiel.”, sagt uns Julia.

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Wie kann man sich den Prozess der Erstellung eines Cosplay-Charakters vorstellen?

Cosplayer*innen legen oft große Kreativität an den Tag, nicht nur beim Make-Up sondern auch bei der Kostümherstellung. Vieles kann online bestellt werden, aber Passform und Qualität sind dann manchmal ein Problem, meinen die Steirerinnen. Da legen sie dann oft selbst Hand an und werden zu erfinderischen Amateur-Schneiderinnen und Bastlerinnen.

So kommt es, dass Anna für manche Cosplays einige Monate oder sogar über ein Jahr braucht, um sie fertig zu stellen. Viele Kostüme sind auch ein laufendes Projekt, an dem mal wieder weitergearbeitet oder ein Teil verbessert wird. Dadurch entsteht dafür dann eine innige Beziehung zum eigenen Cosplay, und dem Outfit wird eine persönlichen Note verliehen, so Anna.

Julias Outfit des Dabi aus der Mangaserie My Hero Academia wurde großteils gekauft. Um im fertigen Cosplay zu stehen, braucht sie über 2,5 Stunden. Bei Anna’s Prompto Argentum des japanischen Action-Rollenspies Final Fantasy XV sind es dann doch nur etwa 30–40 Minuten, aber mit (großteils) selbst gefertigtem Outfit.

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Wie sieht’s mit Geschlechterrollen in der Cosplay-Szene in Österreich aus? 

“Mit Hilfe von Cosplay kann man sehr viele starke weibliche Charaktere darstellen. Aber ich kann als Frau auch einfach einen Mann darstellen”, findet Julia. Aber das wird nicht immer von allen verstanden.

Julia meint, sie wird deutlich öfter fotografiert, wenn sie in die Rolle eines weiblichen Charakters schlüpft. Auch Kommentare wie “Wieso stellst du sonst immer nur Männer dar?” bekommt sie persönlich oder via Social Media zu hören. Julia findet das sexistisch.

Sie findet es traurig, dass manche Cosplayer*innen dann quasi aufgrund der falschen Gründe fotografiert werden. Es gehört auf alle Fälle noch viel getan in der Cosplay-Szene, so das Fazit unseres Gespräches.

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Wie fängt man am besten an, um in Österreich Teil der Cosplay-Szene zu werden? 

“Ganz klar auf Instagram.” Die beiden müssen keine Sekunde überlegen. “Dort kann man durch die Location schauen, wer von wo ist und dann super einfach mit anderen in Kontakt treten”. Instagram selbst war auch die Plattform, über die Julia und Anna Freundschaft geschlossen haben.

Man soll auch einfach mal auf eine Convention oder eine andere ähnliche Veranstaltungen gehen und vor Ort mit Leuten reden, rät Julia. “Hauptsache, man traut sich einfach mal, einen Schritt in diese Richtung zu machen. Und man ist nie zu alt dafür, etwas wie Cosplay zu beginnen. Solange es Spaß macht”. Recht hat sie, finden wir.

Über die beiden Cosplayerinnen

Folge Anna auf Instagram unter @hearty.chan. Julia findest du unter @kikikobanjo.

Über die Fotografin, Katharina

Katharina Koberger ist eine Fotografin aus Oberösterreich. Derzeit lebt sie in Wien und besucht dort das Kolleg für Fotografie und audiovisuelle Medien an der Graphischen. Ihre große Leidenschaft ist die Portrait- und Dokumentarfotografie. Mehr über Katharina und ihre Fotografie findest du auf ihrer Website kubinphotography.com oder bei instagram unter @kkubin_ .