Lass dich inspirieren: 58 in Österreich lebende Kreative verraten dir, wie du dein Projekt beginnen kannst

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Wir haben Personen aus unterschiedlichen kreativen Richtungen gefragt, wie sie ihre Projekte starten, was sie antreibt und wie sie es schaffen, sich zu motivieren. Lass dich davon inspirieren: 

1. Martin Tardy (Malerei): “Ich unterscheide zwischen Kunstwerken und Projekten. Bei Kunstwerken ist es sehr technikabhängig. Als Beispiel: Bei meinen asynchronen Zeichnungen, bei denen ich mit beiden Händen gleichzeitig zeichne, ist alles sehr intuitiv. Ich weiß am Beginn meist nicht einmal, was ich zeichnen werde, ob Gesicht oder Körper. Ich lasse mich vollkommen von den Linien leiten. 

Manche meiner einhändigen Zeichnungen aus einer kontinuierlichen Linie entstehen spontan, andere plane ich als Serie. Bei Letzteren überlege ich mir erstens das Trägermaterial (welches Format das Werk am besten hervorhebt) und auch grob Posen und Ausdrücke, um eine stimmige Serie aus Kunstwerken zu erschaffen. Bei meinen Cut Out Werken ist hingegen alles vorab beschlossen. 

Projekte sind für mich in erster Linie das Planen und Experimentieren mit neuen Techniken, Materialien und/oder neuen Technologien. Da erstelle ich gedanklich einen Plan. Es entsteht also fast alles ausschließlich in meinem Kopf. Ich habe ständig mehrere Projekte gleichzeitig, welche ich immer und immer wieder vor meinem geistigen Auge ablaufen lasse, um mögliche Denkfehler zu korrigieren.”

2. Cameron Ugbodu (Visuelle Kunst): “Ich scheibe meine Gedanken und Ideen auf oder fotografiere etwas, das mir ins Auge sticht. Das kann unterwegs, im Studio, oder auch daheim passieren – manchmal unbewusst und ohne größere Gedanken dahinter. Dann reflektiere ich über das Niedergeschriebene oder die Snapshots. In dieser Phase nehme ich mir bewusst Zeit, darüber nachzudenken und es mir bildlich auszumalen (bevorzugt zu Musik).”

3. John Smile (Comedy): “Ich schreibe meine Idee einfach sofort nieder. Zuerst eine fette Überschrift und dann meine Vorstellung dazu.”

© Endgame Entertainment

4. Kinga Jakabffy aka kingas.grapes (Malerei, Illustration): “Ich beginne mit einem Projekt, indem ich mir vorstelle, was zum Schluss dabei rauskommen soll. Damit meine ich die Rahmenbedingungen wie Format, Material und Message. Danach lass’ ich es idealerweise einige Zeit liegen und beschäftige mich gar nicht mehr damit. Das Schöne daran ist, dass mein Kopf unbewusst weitergrübelt und irgendwann Ideen dazu ausspuckt. Das kann dann bei ganz alltäglichen Aktivitäten kommen. Bestenfalls hab’ ich dann gleich Stift und Papier zur Hand.”

5. Barbara Moura aka b_moura (Malerei): “Mein Projekt beginnt normalerweise immer mit einem neuen Gemälde oder einer neuen Zeichnung, das/die als Katalysator dient. Wenn es richtig gut wird, liefert es mir gleichzeitig Idee und Inspiration für einen Titel oder eine bestimmte Reihe von Arbeiten und manchmal sogar die Idee für eine ganze Ausstellung.”

© Jolly Schwarz

6. Jolly Schwarz (Fotografie):Für ein kreatives Projekt beginne ich mit einer Brainstorming-Session durch meine Stimmungen, die ich mir über die Jahre hinweg angesammelt habe. Dabei beachte ich die Message, die im jeweiligen Kreativprojekt umgesetzt werden soll und passe dahingehend den Look an. Mir ist immer wichtig, dass mein Fotografie-Stil an das Projekt angepasst wird und nicht umgekehrt. Damit gehe ich sicher, dass nichts an Ausdruckskraft durch unpassende Farben, Formen oder Blickwinkel verloren geht.”

7. Johanna Wakolbinger aka das.christkind (Malerei): “Mein Arbeitsprozess beginnt selten mit einer Idee. Meine Herangehensweise ist eher impulsiv und ich arbeite meist aus einem Gefühl heraus. Zu Beginn ist auch noch gar nicht klar, wohin der Prozess mich führen wird. Erst langsam im Laufe des Arbeitens an einem Bild oder einer Skulptur entsteht eine Richtung.”

8. elektramusic_ (Musik): “Ich sammle Lyrics während des Alltags und schreibe sie einfach in meiner Notes-App auf. Meistens weiß ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht, wohin der Song führen wird. Dann, wenn ich wirklich Zeit habe, nehme ich mir meine Gitarre oder mein Piano und spiele darauf los und versuche einen Song um diese Worte herum zu bilden. Natürlich muss die Atmosphäre dazu passen, je nachdem, welche Stimmung ich im Song erzeugen will, versuche ich mir diese zu erschaffen. Ich tauche beim Song schreiben in eine andere Welt ein und brauche viel Ruhe und nichts, was mich ablenkt.”

© Elektra
© Tabea Bussmann

9. Tabea Bußmann (Mode, TikTok, Fotografie): “Ich beginne ein kreatives Projekt oft aus dem Bauch heraus. Wenn ich eine Idee habe, setzte ich diese in Begleitung einer großen Tasse Kaffee sofort um. Ich lass’ mir aber dabei Raum für spontane Einfälle. Das geht bei Selbstporträts gut. Manchmal mache ich aber auch das Gegenteil und setze mich bewusst hin und kritzle einfach irgendwas. Wenn ich für Kund*innen shoote oder im Team arbeite, sind natürlich ein konkretes Moodboard und ein Shootingguide unabdingbar.”

© Masa Stanic

10. Catrice Liberty (Drag): “Am Anfang eines kreativen Projektes versuche ich mir immer, das fertige Ergebnis vorzustellen, quasi, wie eine Zusammenfassung oder ein Abstract des Ganzen. Dann denke ich darüber nach, was ich dafür benötige, um dahin zu kommen, wo ich hin will, und unterteile alles in kleinere Arbeitsschritte.”

11. Rafael Gindl aka Die letzte Reportage (Comedy): “Ich schreib’ mir oft abends bei einem Drink mit Freund*innen Ideen auf eine Serviette. Wenn sie mir am nächsten Morgen noch gefallen, setze ich sie um.”

© Rafael Gindl

12. Dexpleen (Musik): “Ich hab’ die meiste Zeit einen hohen kreativen Leistungsdruck und versuche mich konstant davon abzulenken. Wenn ich es dann endlich schaffe, etwas „Nicht-Kreatives“ zu unternehmen, kommen mir die besten Ideen. Die führen dazu, dass ich meine Notizen am Handy öffne und zu brainstormen beginne.”

© Cansu Tandogan

13. Kuro (Tattoo): “Bevor ich ein neues kreatives Projekt starte, nehme ich mir immer etwas Zeit, um einen kreativen Zustand zu erreichen. Dafür höre ich Musik, die ich mag und stöbere in meinen Kunstbüchern. Mein Motto dabei: Kunst inspiriert Kunst.”

© Max Manavi Huber

14. Leni Charles (Mode und Kunst): “Ich starte mit dem richtigen Purpose! Ich lerne täglich etwas Neues dazu: von anderen Menschen, Liedern, von Veränderungen im Leben, zwischenmenschlichen Beziehungen, Humor, Weltgeschehen, Ungesagtem, Einsichten, Fehlern, Gefühlen. Das sammelt sich alles an und bietet viele Möglichkeiten zur Inspiration. Wichtig ist mir, dass ich zuvor aber prüfe, ob die kreativen Projekte überhaupt sinnvoll sind.”

15. Nati Lika aka soulfeeda (Beauty): “Vor jedem kreativen Projekt sammle ich Moods, Ideen und mache mir viele Gedanken darüber. Oft ist es so, dass mir plötzliche Visionen einschießen und ich diese in meinen Notizen aufschreibe und dazu passende Bilder suche. Wenn meine Klienten kreative Projekte vorschlagen, brainstorme ich ganz viel (auch mit ihnen) und schicke ihnen Moodboards zu, weil ich es wichtig finde „on the same page“ zu sein.”

16. Anna Pelz aka farbmilieu (Malerei, Skulptur): “Manchmal hab’ ich schon eine Idee für ein Bild im Kopf, manchmal starte ich rein intuitiv darauf los und assoziiere frei dazu.

Ich mache auch ständig Notizen und Skizzen, die quasi Vorarbeit sind und später Impulse geben können. Ich versuche, in einen Zustand zu kommen, in dem ich meine Gedanken einfach sprudeln lassen kann. Ich versuche mich darauf zu fokussieren, dass der Prozess und die Freude daran im Vordergrund stehen und die neue Arbeit nicht das ultimative Meisterwerk werden muss, sondern ein Schritt von vielen in meiner künstlerischen Entwicklung ist. Ich versuche außerdem, mich von externen Bewertungen zu befreien und das zu machen, was mich freut, unabhängig vom Feedback.

Es ist hilfreich, sich vorzustellen, wie ein Kind an das Projekt herangehen würde, um mit ungehemmter Vorfreude mit Materialien zu experimentieren. Es ist mir wichtig, einen spielerischen Zugang zu behalten, auch wenn das nicht immer einfach ist.”

17. Reesa Janschitz (Tanz): “Zu Beginn lasse ich mich von unterschiedlichen Eindrücken inspirieren. Ich habe oft schon eine Idee im Kopf, die ich unbedingt umsetzen will oder ich baue auf einer bereits bestehenden Idee auf, die mir von Kund*innen vorgegeben wird. Darauf basierend beginnt die Beschäftigung mit visuellen und auditiven Aspekten: Ich schaue mir etliche Videos unterschiedlicher Genres durch und höre mir stundenlang Musik an. Dadurch entsteht schon ein gewisser Rahmen für meine Idee und es formen sich Bilder für das Endprojekt.

Zusätzlich nutze ich Moodboards, die mit Ausschnitten aus Zeitungen, Magazinen oder Ähnlichem gefüllt werden und so Inspiration für die weitere Ideenfindung liefern. Schlussendlich muss ein roter Faden festgelegt werden, anhand dessen man die Geschichte des Projekts weiterspinnen kann.”

© Noah Kiga

18. Sarah Gangl (Radio): “
Ich nehm’ mir ein weißes Blatt Papier und schreib’ mir alles bis ins kleinste Detail auf, was ich für das Projekt benötige. Meine Gedanken sind dann viel sortierter und ich kann mich auf den tatsächlichen kreativen Prozess konzentrieren.”

19. Zosia Hołuboswka aka Mala Herba (Sound): “Normalerweise beginne ich ein Projekt erst, wenn ich mich inspiriert fühle von dem, was ich in Büchern lese oder auf Ausstellungen sehe. Dadurch empfinde ich, dass ich mit vielen kreativen Seelen verbunden bin und nicht nur ein Solokünstler bin, der zufällig eine Idee hat.”

© Agata Hudomiet

20. Vlad (Fotografie): “Ich beginne mit einer Inspiration, die mich das ganze Projekt über begleitet. Beim Vangardist Cover Shoot für das September Issue zum Beispiel sind wir von der Idee eines Engels ausgegangen. Das Model ist ein Balletttänzer und hat mir bei einem Kaffee erzählt, dass man als Tänzer*in immer Perfektion anstrebt, obwohl diese nie zur Gänze erreicht werden kann. Wir haben versucht, einen Engel zu “vermenschlichen”. Die Inspiration gilt allerdings nur als Richtlinie und sollte vom*von der Betrachter*in nicht sofort erkannt werden.”

21. Niko Havranek (Fotografie): “Der Anfang ist immer das Einfachste. Die Idee kommt meistens von ganz allein. Ich notiere meine Gedanken und mach’ mir dann einen Ordner, in dem ich die ersten Bildideen speichere. Ich habe ein paar Serien, die ich ständig erweitere. Irgendwann gibt es dann genug Fotos, um über weitere Schritte nachzudenken. Oft entwickeln sich die Ideen zu Serien auch über einen längeren Zeitraum. Irgendwann fällt mir auf, dass es wiederkehrende Motive gibt. Dann überlege ich, welche finale Form die beste für diese Bilder ist. Bis das abgeschlossen ist, kann es lange dauern.”

22. Alexa Lopez (Musik): “Wenn wir von einem neuen Song sprechen, fang’ ich meist an, mir Gedanken über das Konzept des Songs zu machen. Also, welchen Vibe er haben soll, was ich damit ausdrücken will. Dann fang’ ich gleich an, den Text zu schreiben, egal wo ich bin, da mir die Lyrik und Message meiner Songs sehr wichtig, wenn nicht am wichtigsten, sind.

Wenn mir bis dahin noch keine Melodie eingefallen ist, setz’ ich mich an ein Instrument und von da an passiert alles ganz automatisch.

Es gibt aber auch Fälle, wo der Schreibprozess komplett umgekehrt abläuft. Man sollte sich, finde ich, nicht limitieren, was das Kreieren von Kunst angeht.”

23. Max aka maxs_homemade_cosplays (Cosplay): “Ich beginne ein Projekt meist damit, mir grob einen Plan zusammenzuschreiben. Wenn ich dann einen Plan geschmiedet habe, geht es ans Werkeln und Probieren. Das „Trial and Error“ Prinzip sozusagen. Manchmal funktioniert etwas gleich auf Anhieb und manchmal braucht es mehrere Anläufe. Auch, wenn etwas nicht gleich beim ersten Mal funktioniert, soll das einen nicht demotivieren. Eines lernt man dadurch bestimmt, nämlich, dass es so eben nicht funktioniert und wir unseren Plan etwas anpassen müssen. Man lernt nie aus und sollte stets offen für neue Techniken und Materialien sein. Es ist auch keine Schande, nach Hilfe und Rat bei kreativen Kolleg*innen zu suchen.”

© Lunarya Photography. Edit by maxs_homemade_cosplays

„Der Mülleimer ist dein Freund.“

24. Peter aka. Tasty (Illustration): “Im Arbeitskontext beginne ich damit, den Raum, in dem ich mich bewege, auszuloten und mir mögliche Wege auszudenken, die ich gehen kann. Um quasi ein Back-up zu haben, wenn ich der Meinung bin, dass es nicht so gut passt. “Der Mülleimer ist dein Freund”, hat einer meiner Kolleg*innen einmal gemeint.” 

© Peter Oswald

25. Tina aka @tinadunkelbunt (Fotografie): “Wenn ich ein neues Projekt starte, dann meist aus einem inneren Antrieb heraus. Fast immer schwirren Ideen eine Weile unkonkret in meinem Kopf herum. Und irgendwann tut sich plötzlich etwas – und dann muss ich starten.

Das Wichtigste ist für mich, dass ein kleines Feuer in mir brennt. Viel wichtiger als Strategie und Planung. Wie es sich dann entwickelt, sieht man eh mit der Zeit. Aber ich lebe da sehr nach dem Motto: A journey of 1000 miles starts with a single step.”

© Connysview
© Ingo Pertramer

26. Mara Holub aka stadtmaerchen (Food, Fotografie, Mode): “Am Anfang steht immer eine Vision. Dazu erstelle ich Moodboards, um Ästhetik und Bildsprache festzulegen und mache mir handschriftliche Notizen.”

© Miriam Zach

27. Freude (Musik): “Das ist recht schwierig zu sagen. Ich warte eigentlich auf Inspiration und dann starte ich erst mit dem Projekt.”

28. Elena Wolff (Comedy): “Ich beginne beinahe jedes Projekt mit einer guten Playlist, die gerade zu meiner Stimmung passt. Dadurch werde ich mir meiner aktuellen Emotionen und Gedanken besser bewusst, die in mir herumschwirren und durch die Songs Ausdruck finden. Mit dieser Basis kann ich dann gut in ein neues Projekt starten.

Es gibt kein Schema F. Manchmal fällt mir etwas unter der Dusche ein, manchmal beim Spazierengehen mit meinem Hund. Meist überrascht mich der Zeitpunkt meines kreativen Einfalls aber auch zum Beispiel dann, wenn ich gerade etwas ganz anderes tue und mein Projekt gerade bloß im Unterbewusstsein vorhanden ist.”

„Weil ich in meiner Arbeit und meinen Gedanken sehr sprunghaft sein kann, ist es wichtig, dass ich dann währenddessen nicht die Motivation verliere. Das schaffe ich eben, indem ich immer mehrere Projekte und Aufgaben habe, zwischen denen ich nach Belieben und Inspiration switchen kann.“

29. Francesca Herr aka fr.herr (Poetry Slam): “Ich arbeite oft an mehreren Projekten gleichzeitig und daran, ein Projekt zu Beginn immer an konkreten Zielen oder Deadlines festzumachen, um erstens überhaupt damit zu starten und es dann auch tatsächlich fertigzumachen. Weil ich in meiner Arbeit und meinen Gedanken sehr sprunghaft sein kann, ist es wichtig, dass ich dann währenddessen nicht die Motivation verliere. Das schaffe ich eben, indem ich immer mehrere Projekte und Aufgaben habe, zwischen denen ich nach Belieben und Inspiration switchen kann.

© Caro Neuwirth

30. Max Offergeld aka oidabrudi (Multimedia, Visuelle Kunst): “Meistens hab’ ich irgendeine Idee im Kopf, oft auch nur etwas ganz Einfaches. Fast immer eigentlich ein grobes Bild, aber manchmal auch ein paar Worte oder ein Geräusch. Ich versuch’ dann immer, alles so unkompliziert wie möglich mit ein paar kleinen Zeichnungen erstmal auf Papier zu bringen. Dann schaue ich, was passiert.”

© Cansu Tandogan

„Die meisten Ideen, die mich dann wirklich weiterbringen, kommen mir sowieso in der Dusche.“

31. Theresa Ziegler (Journalismus): “Wenn es um ein kleineres Projekt – etwa einen Artikel oder Beitrag – geht, dann versuche ich, mir als allererstes in wenigen Sätzen klarzumachen, was ich eigentlich damit aussagen möchte. Dann lege ich meistens ein grobes Outline an, einen roten Faden in Stichpunkten, von wo aus ich das Dokument dann nach und nach mit konkreten Absätzen fülle.

Tatsächlich komme ich sehr schnell in den allseits beliebten Flow. Ich bin absolut der Typ Journalistin, der meist alles in einer Session runtertippt, bis der Pferdeschwanz und die Augenringe auf Halbmast hängen und der Beitrag fertig ist. Bei größeren Projekten, etwa einem neuen Job oder einem neuen Format, starte ich ehrlicherweise einfach irgendwo und denke mir: Trust the process! Die meisten Ideen, die mich dann wirklich weiterbringen, kommen mir sowieso in der Dusche.

© Oskar Fischer

32. Elena (Gamedesign): “Ein kreatives Projekt beginne ich ganz praktisch mit einer Pinnwand auf Pinterest. Ich sammle zuerst alle visuellen Eindrücke und erstelle dann in Photoshop ein Moodboard. Das hilft enorm, da Anfangen der schwierigste Step ist und man so am Kurs bleibt und sieht, wie das Endprodukt aussehen könnte.”

© Kiki Furlan

33. Kiki aka kikifurlan (Malerei, Strick, Mode): “Ich beginne damit, dass ich mit einem Material oder einem Herstellungsverfahren von Textilien etwas Neues ausprobieren möchte. Also ich hab’ keine Ahnung, wie es aussehen soll oder keine Erwartung an das fertige Bild, sondern vertrau’ auf den Entstehungsprozess. Meistens entstehen so die Formen oder Motive ganz von allein.”

© Amina Reifenauer

34. Amina Minou Reifenauer (Tanz, Fotografie): “Mein Startprozess ist sehr intuitiv. Im Moment fällt es mir am leichtesten, wenn ich mich in die Dunkelkammer begebe und einfach beginne. Im Prozess kommen mir dann die Ideen. Und zumindest für mich gilt: Nicht zu viel nachdenken und einfach anfangen. Mit rein konzeptuellen Arbeiten komme ich gerade nicht besonders weit.”

35. Eva Reisinger (Literatur): “Ich beginne die Schaffensphase seit einiger Zeit mit einem Moodboard. Also, wenn es sich um größere Projekte handelt. Ich schau’ dabei Zeitschriften und Magazine durch, reiße alle Bilder mit der Hand heraus und klebe sie auf eine Collage. Mir hilft das, Bilder im Kopf entstehen zu lassen und eine Richtung zu finden. Die Collage hänge ich mir dann auch in die Nähe meines Schreibtisches, damit ich sie mir immer wieder ansehen kann. Jedes Mal beim Vorbeigehen denke ich darüber nach. So ist für meine Bücher schon einiges entstanden. Außerdem ist das eine gute Abwechslung während des Schreibens.”

„Weil ich ein Aufmerksamkeitsdefizit habe, fällt es mir sehr schwer, mich hinzusetzen und zu arbeiten.“

36. Melisa Mete (Schauspiel):Weil ich ein Aufmerksamkeitsdefizit habe, fällt es mir sehr schwer, mich hinzusetzen und zu arbeiten. Als Erstes schaue ich, dass die Atmosphäre in meinem Zimmer passt. Ich höre gerne klassische Stücke, zünde mehrere Duftkerzen an, öffne meine Fenster und dimme das Licht. Da ich eine visuelle Person bin, schneide ich Wörter oder Bilder aus Zeitungen oder Magazinen aus und erstelle Collagen und Mindmaps. So versuche ich, das Bild in meinem Kopf zu Papier zu bringen.”

37. Xavier Sosa (Musik): “Wenn ich ein kreatives Projekt beginne, lass’ ich mich meistens von meiner Intuition leiten.”

© Lisa Koch

38. Nima (Musik und Produktion): “Manchmal fängt es mit einer Idee in meinem Kopf an, die ich in meiner Vorstellungskraft immer weiter ausbaue. Manchmal aber habe ich das gesamte Endresultat vor dem Entstehungsprozess bereits in meinem Kopf.”

© Christopher Hanschitz
© Christian Hlinak

39. Lukas Pellmann (Literatur): “Wenn ich eine Idee für ein neues Buch oder ein neues Projekt habe, schreibe ich zunächst die inhaltlichen Eckpunkte auf und lasse das Notierte ein paar Tage oder Wochen liegen. Erst wenn mir die Idee nach diesem Zeitraum noch immer gefällt und Handlung sowie Protagonist*innen vor meinem inneren Auge Gestalt annehmen, beginne ich, erste Textpassagen zu Papier zu bringen.”

@ Anna Lena Wagner

40. IssueofLucas (TikTok): “Meistens fällt mir randomly eine Idee ein oder ich sehe etwas, was mich inspiriert. Dann schreib‘ ich alles, was irgendwie passen könnte, in meine Notizen App, filme einen ersten Entwurf und verbessere das dann in den darauffolgenden Tagen.”

41. Pandora Nox (Drag): “Das sind fast immer spontane Eingebungen, die meistens im Zusammenhang mit meiner derzeitigen Stimmung stattfinden. Beziehungsweise in mir tut sich was und das braucht dann ein Ventil!” 

© Maximiliana Barollo

„In den meisten Fällen bin ich viel zu ungeduldig, um mir einen richtigen Plan zu überlegen, wann ich zum Beispiel welches Video poste.“

42. Bruman Rockner (TikTok): “Ein kreatives Projekt beginne ich damit, dass ich mich von alltäglichen Situationen inspirieren lasse. In den meisten Fällen bin ich viel zu ungeduldig, um mir einen richtigen Plan zu überlegen, wann ich zum Beispiel welches Video poste. Ich hau‘ meinen Content zu 99% sofort raus: Ringlicht raus, Kamera an und okaaay, let’s go.”

© Marlon Hambrusch

43. Marissa Wenedig (NFT-Kunst): “Ich schau’ mir gerne alte Fotos an, hör‘ Musik oder einen Podcast, lese ein Buch und lass‘ meine Gedanken treiben. Irgendwie und irgendwann beginne ich dann. Wenn es ein Auftrag ist, dann recherchiere ich viel über das Thema und sammle dazu am liebsten vor Ort Material.”

© Nicole Brandstaetter

44. tenwi (Mode): “Mein Prozess läuft so ab: Inspiration sammeln, Ausstellungen und Events besuchen – entweder online oder persönlich, Bilder und Materialien sammeln – eigene Fotografien oder auch secondhand Textilien, Moodboards erstellen – digital oder manuell, skizzieren, beschriften, Farbe anwenden – hier auch wieder digital oder manuell, die beste Auswahl der Entwürfe selektieren und an der Umsetzung arbeiten.”

45. Luca Bonamore aka Pornamore (Tanz): “Das ist bei mir sehr unterschiedlich. Was ich jedoch oft tue, wenn ich ein Bild im Kopf habe oder eine bestimmte Idee, ist, mir eine Notiz am Handy zu machen. Einige meiner letzten eigenen Projekte sind durch solche Notizen entstanden.”

„Somit startet die Idee oft als Notiz auf einem Kassazettel.“

46. Astrid aka wienerkind_ (Schauspiel): “Die Idee dazu kommt mir meistens irgendwann im Alltag. Ich glaube, es sind Momente, in denen mein Hirn Zeit zum Runterfahren hat bzw. mit banalen Dingen beschäftigt ist.

Somit startet die Idee oft als Notiz auf einem Kassazettel. Und wenn ich dann genug Zeit und Bock habe, setz ich mich dran. Meine To-Do-Listen und mein Kopf müssen dazu wirklich frei sein, sonst komm’ ich gar nicht erst in einen kreativen Modus.

Um wirklich fokussiert zu arbeiten, läuft bei mir instrumentale Musik in den Kopfhörern, um mich von der Außenwelt abzuschotten. Die meisten meiner Projekte habe ich ohne jegliches Wissen oder Erfahrung gestartet und mir die Dinge im Laufe des Prozesses angeeignet, oft getreu dem Motto “Better done than perfect”. Netzwerken und der Austausch mit Menschen, die in dem jeweiligen Feld Erfahrungen haben, sind hier natürlich extrem hilfreich.”

© Astrid Aschenbrenner

48. Anna aka Rudi (Musik): “Was mir immer hilft, um in den Flow zu kommen: Alles niederschreiben, was mir zum Projekt einfällt. Gefühle und Bilder im Kopf, oder oft nur einzelne Worte aufschreiben, komische Skizzen kritzeln… kreuz und quer, bunt gemischt. Ich glaube, für mich ist es wichtig, mir meiner Gefühle, Gedanken und „Projekt-Absichten“ sehr klar und bewusst zu sein. Meine Intuition sagt mir dann, wie ich das am besten umsetze.”

„Es ist von Projekt zu Projekt anders, wie und wann die Inspiration kommt, man darf nur nicht danach suchen.“

49. Hvala Ilija (Mode): “Es startet meistens mit einem Impuls, der zunächst nicht greifbar ist, weil es sich oft um einen Geruch, Bewegung oder Moment handelt. Wenn die Box dann offen ist, führt es einen irgendwann zu Formen, Farben, Sounds etc. und die Suche wird konkreter. Wenn ich weiß, wonach ich suche, starte ich mit dem Research.

Die Thematik und Umsetzung sollten auch eine gewisse Selbstverständlichkeit haben, damit eine Natürlichkeit beibehalten wird. Damit es sich um Themen handelt, zu denen man Bezug hat, damit die Arbeit nicht zu bedeutungsschwanger und aus den Fingern gezogen wirkt. Es ist von Projekt zu Projekt anders, wie und wann die Inspiration kommt, man darf nur nicht danach suchen.”

© Luca Celine

50. Anastasia aka Stazziiee (Schmuck): “Zuerst überlege ich, was mir selbst gefällt und ich selbst tragen würde. Wenn ich eine Idee habe, erstelle ich meine “beadzzz” in mehreren Versionen und wähle aus, was mir am besten gefällt. Wichtig ist, dass meine Message dabei bestehen bleibt und verständlich ist, wofür ich stehe.”

© Eon Noir

51. Eon Noir (Fotografie): “Ich beginne ein kreatives Projekt, indem ich ein Moodboard erstelle, Ideen in meinem Notizbuch sammle und Skizzen zeichne.”

„Ich empfinde es auch als sehr wichtig, Projekte in der Entstehungsphase von außenstehenden Personen betrachten zu lassen, da diese meist einen anderen Blickwinkel auf die Dinge haben und einem helfen können, das Beste aus einem Konzept herauszuholen.“

52. Metamorkid (Drag): “Ich arbeite relativ systematisch, wenn es zum Beispiel um Show-Konzepte geht. Meist baue ich mir zuerst ein Grundgerüst und fülle dieses dann mit Ideen, um zu sehen, wie manche Dinge miteinander harmonieren. Ich empfinde es auch als sehr wichtig, Projekte in der Entstehungsphase von außenstehenden Personen betrachten zu lassen, da diese meist einen anderen Blickwinkel auf die Dinge haben und einem helfen können, das Beste aus einem Konzept herauszuholen. Generell arbeite ich an den meisten Projekten in einem Team und profitiere dadurch von den diversen Talenten und Impulsen der Menschen um mich herum.”

© Mex Levant und Jakob Flash

53. Fabian Wohlfarth aka Yajin (Kunst): “Meistens beginnt die Idee für ein kreatives Projekt in Momenten, in denen viel Zeit ist, nachzudenken. Im Zug beispielsweise kann ich meine Gedanken gut schweifen lassen und komme so auf verschiedenste Ideen.

Wenn es um ein visuelles Projekt geht, sei es eine Grafik, eine Fotografie, ein Render oder alles in einem, kann ich mir den Output in meinen Gedanken schon so gut ausmalen, dass ich für gewöhnlich nicht einmal eine Skizze anfertige. Das kann manchmal natürlich auch nach hinten losgehen, wenn man direkt anfängt, in dem finalen Medium zu arbeiten und sich herausstellt, die Grundkomposition hätte stärker sein können. Deshalb versuche ich in letzter Zeit, als allererstes meine Gedanken in einem Skizzenbuch festzuhalten, um das Ganze von einem anderen Blickwinkel aus zu betrachten.”

© Johanna Hirzberger

54. Johanna Hirtzberger (Journalismus, Radio): “Ein kreatives Projekt beginnt bei mir mit der Idee. Meist kommt mir diese ohne Vorwarnung beim Sport oder kurz vor dem Einschlafen im Bett.

Dann kommt eine Mindmap, ich schreib’ alle Gedankengänge mit Bleistift auf einen A3 Zettel. Je nach Bedeutung kommen sie an unterschiedliche Ecken des Blattes. Jede Ecke ist ein Aspekt des Projekts, zum Beispiel: Was muss ich beachten? Gibt es rechtliche, formale Regeln und Deadlines? Woher kann ich mir Inspirationen holen? Welche Personen kenne ich, die mir bei den unterschiedlichen Punkten weiterhelfen könnten?

55. KVSAL (Musik): „Zuallererst setzte ich mich hin, mache mir mal einen Kaffee und lasse meinen Gedanken freien Lauf. Ich schreibe Stichwörter nieder. Manchmal sinnvolle Stichwörter, manchmal weniger.

Dann suche ich mir ein paar Tracks von Künstler*innen, die ich gerne höre und überlege mir: Welche Elemente gefallen mir heute besonders gut? Dabei ist “heute” für mich essenziell, denn ich finde, dass es beim kreativen Schaffen oft darum geht, eine Art seelische Momentaufnahme zu kreieren. Gemüte, Gefühle und Identitäten befinden sich in einem Zustand des ständigen Wandels. Wenn ich es schaffe, diese Prozesse zu erfassen, bin ich happy.”

„Ich denke, man muss einfach immer dran bleiben und den Schaffensprozess zu einem Bestandteil des Alltags machen.“

56. Paul Bauer aka tiredpurple (Musik): “Ich arbeite eigentlich immer darauf los. Viel Inspiration hole ich mir von anderen Künstler*innen. Momentan beschäftige ich mich mit Ambient-Musik. Da nehme ich mir gerne Game-Soundtracks zur Hand und lass’ mich davon inspirieren. Ich denke, man muss einfach immer dran bleiben und den Schaffensprozess zu einem Bestandteil des Alltags machen.

© Cansu Tandogan

57. Polina Sokolova (Kunst): “Es ist jedes Mal ein Kampf, die Angst und die Unsicherheit zu überwinden. Aber im Schaffensmoment versuche ich mir vorzustellen, dass außer mir und meinem Gemälde nichts existiert.”

58. Meydo (Musik): “Ich fang meine Musikprojekte sehr unterschiedlich an, meistens kommt mir eine Melodie in den Kopf und ich sing sie in mein Handy ein, hau mich ins Studio und fange mit der aufgenommenen Melodie zum Schreiben an und bereite die Idee für den jeweiligen Producer vor.”

59. Luí (Kunst): Ich bin ein sehr impulsiver Mensch. Meistens beginne ich mit einem Projekt, weil eine Idee, die ich hatte, ein Feuer entfacht. Das heißt leider nicht, dass ich es auch zu Ende bringe… Aktuell versuche ich gerade den Schaffensprozess aktiv zu genießen und nicht so sehr an das Outcome zu denken. Für Inspiration frage ich mein inneres Kind oder meinen inneren Teenager, was sie cool fänden. Was sie gerne sehen oder hören würden. Und meistens kommt dabei viel raus, das mir gar nicht bewusst war.

Der Schaffensprozess schaut für alle Kreative ganz unterschiedlich aus: Mit Notiz-App am Handy, auf einem Kassazettel, auf Moodboards, zu Musik, ohne Musik, in einer Dunkelkammer, in der Dusche, im Team oder alleine. Und trotzdem kann man von allen etwas lernen.

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