10 Mythen über Nachhaltigkeit

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Plastik ist böse, Bio eine Lüge und ich habe nichts mit dem Klimawandel zu tun. Es kursieren so viele Mythen über Nachhaltigkeit, dass es manchmal schwer ist, den Überblick zu behalten. Was stimmt, was stimmt nicht? Wir klären über zehn der gängigsten Nachhaltigkeits-Gerüchte auf.

1. Bio-Siegel lügen: Nein!

Jedes Bio-Siegel hat bestimmte Grundsätze und Regeln, die im Vergleich zur konventionellen Landwirtschaft höheren ökologischen Standards folgen. Auch wenn die unterschiedlichen Siegel unterschiedlich streng definiert werden, sind die Wörter Bio und ökologisch im EU-Lebensmittelbereich geschützte Begriffe.

Hier solltest du aber genau hinschauen: Begriffe wie “naturnaher Anbau” oder “umweltgerechte Landwirtschaft” haben rein gar nichts mit Bio-Landwirtschaft zu tun.

 

© BAM! | Isabelle Carhoun

2. Mülltrennung bringt nichts – es wird doch eh alles verbrannt. Nein!

Wenn du deinen Müll richtig sortierst, werden die Rohstoffe recycelt. Auch wenn der Recycling-Prozess nicht endlos möglich ist, schont er jede Menge Ressourcen, bei dem Altstoffe als Sekundärstoffe zu neuen Produkten und Waren werden. Wirfst du hingegen alles in den Restmüll, werden wertvolle Stoffe tatsächlich einfach verbrannt.

 

3. Mit meinem Gewand in der Altkleidertonne tue ich etwas Gutes. Jein!

100.000 Tonnen Altkleider werden in Österreich jährlich weggeworfen. Ein Großteil davon kommt in Altkleidercontainer. Was noch tragbar ist, wird karitativen Einrichtungen gespendet oder verkauft. Das ist an sich eine gute Sache.

Jetzt kommt das große ABER: Durch die riesigen Mengen wird ein Teil in ärmere Länder exportiert und soll zum Beispiel in einigen Staaten Afrikas zum Niedergang der Textilproduktion beigetragen haben.

Das andere große Problem: Altkleidercontainer reinigen unser schlechtes Gewissen und verschaffen uns die Legitimation, immer mehr, immer billigere Kleidung zu kaufen, die oft unter menschenunwürdigen Bedingungen produziert wird.

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4. Baumwolltaschen sind besser als Plastikbeutel. Jein!

Vergleicht man eine Einweg-Baumwolltasche mit einem Einweg-Plastikbeutel, gewinnt der Plastikbeutel das Duell. Denn der Anbau von Baumwolle braucht extrem viel Wasser, Pestizide und Dünger. Außerdem stammen mittlerweile zwei Drittel der Baumwollernte von gentechnisch veränderten Pflanzen. All das führt zu einer schlechten CO2-Bilanz für den Beutel.

Nicht mit eingerechnet ist hier die Entsorgung, denn da liegt Baumwolle klar vor Plastik. Sie ist nämlich biologisch abbaubar, während eine Plastiktüte bis zu 450 Jahre braucht, bis sie vollständig zerfällt. Um dem Baumwollbeutel seine nachhaltige Daseinsberechtigung zu verschaffen, sollte er mindestens 131 Mal verwendet werden – dann ist er im Vergleich zu Plastik auch die bessere Wahl.

 

5. Recycling ist die Lösung unseres Müllproblems. Nein!

Recycling ist ein fortschrittlicher Umgang mit Müll, aber noch lange keine Lösung des Problems. Beim Recycling werden zwar Altstoffe wiederverwertet, trotzdem müssen immer auch neue Stoffe beigemischt werden. Das heißt, aus einer alten Plastikflasche wird nur eine neue Plastikflasche, wenn neues Plastik hinzugefügt wird. Recycling verbraucht also nach wie vor Ressourcen. Ganz zu schweigen vom hohen Energiebedarf, der für den Prozess benötigt wird.

Außerdem lässt sich Recycling nicht uneingeschränkt oft wiederholen: Plastikflaschen können nur bis zu zwanzig Mal wiederverwendet werden. Eine nachhaltige Lösung wäre es, überhaupt viel weniger Müll zu produzieren.

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6. Ein nachhaltiges Leben führen ist teuer. Nein!

Second Hand und bewusstes Konsumieren sind hier die Stichwörter. Ob Kleidung oder Möbel, kaufst du aus zweiter Hand, ist es nicht nur billiger, sondern auch am nachhaltigsten.

Dass Bio-Lebensmittel generell teurer sind, lässt sich schwer leugnen. Man kann aber auch mit begrenzten Mitteln Prioritäten setzen: Statt für fünf Packungen Chips und den billigen Käse, könntest du dich ja auch für eine Chipspackung und den Bio-Käse entscheiden. So kommst du auf den gleichen Preis, gewinnst aber Karma-Punkte.

 

7. Bio-Plastik ist gut für die Umwelt. Jein!

Bioplastik ist zunächst mal ein Überbegriff für Biokunststoffe, die aus Rohstoffen bestehen, die in der industriellen Landwirtschaft gewonnen werden. Es kann aus nachwachsenden Rohstoffen hergestellt und biologisch abbaubar sein oder sich in einer Schnittmenge aus beidem bewegen – oder eben auch nicht. Das heißt mit Bio muss das Bio-Plastik rein gar nicht in Zusammenhang stehen. Das ist nicht nur irreführend, sondern fördert auch unsere Wegwerfkultur.

 

8. Es gibt nachhaltiges Palmöl. Nein!

Das Problem ist zunächst nicht das Palmöl an sich, sondern die riesengroße Nachfrage. Weil immer mehr immer schneller und immer billiger angebaut werden muss, wird der Regenwald abgeholzt und somit eines unserer wichtigsten Ökosysteme zerstört.

Ein Versuch den Ölpalmen-Anbau nachhaltiger zu gestalten, war die Gründung des Round Table on Sustainable Palmoil (RTSP). Allerdings heißt Nachhaltigkeit im Namen noch lange nicht Nachhaltigkeit in der Umsetzung: Regenwaldrodung, Landraub, Menschenrechtsverletzung und Monokulturen gehen trotz RTSP-Label unvermindert weiter. Hinter der Organisation stehen übrigens Großkonzerne und der WWF.

© BAM! | Isabelle Carhoun

9. Glasflaschen sind besser als Plastikflaschen. Jein!

Bei einmaliger Nutzung hat Plastik tatsächlich eine bessere CO2-Bilanz als Glas. Das liegt unter anderem an den hohen Temperaturen, unter denen Glas hergestellt wird. Außerdem ist es schwerer als Plastik, womit beim Transport mehr Energie verbraucht wird.

Sobald das Glas aber mehrmals verwendet wird oder die Transportwege sehr kurz sind, sieht es anders aus. Kaufst du also eine Milchflasche beim Bauern und lässt diese immer wieder befüllen, ist Glas eindeutig die bessere Wahl.

 

10. Der Klimawandel hat nichts mit mir zu tun. Doch, hat er!

Der Klimawandel steht in Zusammenhang mit dem Treibhausgas Kohlendioxid (CO2). Genau dieses Gas erzeugt jeder von uns täglich – direkt beim Heizen und Autofahren, oder indirekt beim Fliegen und Fleischessen.

Die gute Nachricht: durch bewussten und sparsamen Umgang mit Produkten und Energie, kann jeder von uns seinen Teil beitragen, um die Emissionen zu verringern. Wie wäre es, wenn du heute mit dem Rad zur Arbeit fährst oder einen vegetarischen Tag einlegst?

Nachhaltigkeit ist nicht immer Schwarz oder Weiß. Vielmehr ist es oft ein es kommt darauf an. Jedoch lässt sich das Thema immer auf eine Sache herunterbrechen: Bewusstsein. Wenn jede*r von uns kleine Schritte macht, wird daraus ein großer Schritt für die Menschheit.