Building a business with your friend: Wie du Freundschaft und Selbstständigkeit vereinst

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Was ich mich immer gefragt habe, warum können wir nicht alle mit unseren Freund*innen zusammenarbeiten? Okay, ja, weil wir vielleicht nicht die gleichen Interessen haben. Aber wenn jede*r etwas anderes kann, steht dann einem gemeinsamen Unternehmen nichts mehr im Wege? Ich habe Max und Thomas gefragt, die genau diesen Traum von mir leben. Sie sind seit Jahren gute Freunde und haben sich gemeinsam selbstständig gemacht.

Am Weg zu ihnen ins Office fühle ich mich in die Schulzeit zurückgesetzt, weil ich wirklich vor einer ehemaligen Schule im 5. Bezirk stehe. Im Creative Cluster, einer umgebauten Volksschule, die aktuell als Zwischennutzungsprojekt für 40 Künstlerateliers dient, bauen sie gerade ihr Unternehmen auf. Max arbeitet vom eigens kreierten Tisch, Thomas mit Laptop in einem roten Fernsehsessel. Doch der Blick richtet sich zuallererst auf die zehn Pflanzen, die im alten Klassenzimmer verteilt stehen. Aber logisch, denn ihr Business dreht sich genau um das – Pflanzenständer. 

Hi Max, Hi Thomas, erzählt einmal, was macht ihr genau? 

Max: snorre. Also unser Produkt heißt snorre. Der Hintergrund dazu ist, dass ich während meines Architekturstudiums an der Akademie der Bildenden Künste in Wien immer viele Modelle gebaut habe. Die Idee entstand aus der Zweckentfremdung eines dieser Modelle, als ich eine Palme geschenkt bekommen habe, die viel zu viel Platz in Anspruch nahm. Außerdem entwickelte sich während meines Studiums eine Haltung, dass ich primär nicht als Gestaltungs-Dienstleister Ideen anderer ausformen – sondern viel lieber meine eigenen Interessen verfolgen möchte. Die Kombination aus Glück, Freundschaft und unserem Sozialsystem hat mich dazu bewegt, es einfach auszuprobieren.

© Anna Lena Wagner

Und was ist deine Rolle dabei, Thomas? 

Thomas: Im gemeinsamen Unternehmen jetzt? Also ich komme aus einer ganz anderen Richtung. Ich kümmere mich bei snorre ums Marketing (und mehr natürlich) und habe nach meinem Masterstudium einige Jahre Erfahrungen in Agenturen gesammelt. Aber auch ich habe mir dann die Sinnfrage im Office gestellt.  

Also, ob du dich selbstständig machen sollst, oder nicht?

Thomas: Ja, ich wollte unbedingt was Nachhaltiges aufbauen. Und im Freundeskreis haben wir enorm viele kreative und gescheite Köpfe, warum also dieses Wissen nicht bündeln?

War euch das als junge Menschen, gleich nach dem Studium, nicht super risky? 

Max: Nein, genau dann nicht. Ich hab ja noch nichts zu verlieren. Wobei, da muss ich natürlich dazusagen, dass ich sehr privilegiert bin. Ich hab einen Geldpolster auf der Seite und bekomme Hilfe von Familie und Freund*innen, wenn ich sie brauchen würde. Das kann sich natürlich auch nicht jeder leisten. Aber für mich war es klar, ich will lieber am Anfang für Null arbeiten und das Risiko eingehen und hoffentlich irgendwann mehr draus machen. 

© Anna Lena Wagner

Die Sicherheit von einem Angestelltenjob war euch also nicht wichtig? 

Thomas: Lustig, dass du das sagst. Das ist mir ganz oft entgegengebracht worden, als ich meinen Job gekündigt habe. 

Aber? 

Thomas: Ja, in Österreich greift der Sozialstaat Start-uppern ganz gut unter die Arme, dass ich lieber Risiko vor Sicherheit bevorzuge. Mit dem Outcome, dass ich auf lange Sicht das arbeiten kann, was ich wirklich will. 

Und du wolltest dann unbedingt mit Max zusammenarbeiten? 

Thomas: Nein, nicht unbedingt. Na Spaß. Aber das ist wirklich eher zufällig passiert. Max und ich haben öfters über selbstständige Pläne gesprochen und als sich bei ihm herausstellte, dass es einfach zu viel wird, bin ich eingestiegen.

Und was sind die Vorteile zusammenzuarbeiten? 

Max: Das Vertrauen, das von Anfang an da ist. 

© Anna Lena Wagner

Thomas: Ja, definitiv. Wir kennen uns jetzt über zehn Jahre. Und wenn wir in puncto Arbeit in die Zukunft schauen, haben wir einfach die gleichen Visionen. Das ist schon ein Treiber im eigenen Business, wenn der Partner die gleiche Richtung verfolgt. 

Gibts auch Negatives? Also streitet ihr in der Arbeit? 

Thomas: Nein, Streits gibts (noch) keine. Aber was schon auffällt, ist, dass wir jetzt weniger als Freunde zusammen machen und auch beim After-Work-Drink es sich hauptsächlich um snorre dreht.

Was ist das Wichtigste, das ihr aus eurer Freundschaft in der Arbeitswelt gelernt habt? 

Max: Offene Kommunikation. Also ich lern das ja auch noch, aber das ist auf jeden Fall sehr wichtig. Und Dinge abzugeben. Das lern ich auch gerade, aber ich kann nicht alles machen und muss meinen Perfektionismus ablegen und mir auch eingestehen, dass ich nicht alles besser mache.

© Anna Lena Wagner

Und für dich Thomas? 

Thomas: Neben dem, was Max gesagt hat, würd ich sagen Offenheit. Wir waren früher dem Feedback und der Meinung von anderen viel weniger aufgeschlossen. Jetzt gehen wir damit ganz offen um und ziehen viel bessere Learnings daraus. 

Ist der Spaß-Faktor dafür immer auf 100, wenn man mit Freund*innen ein Business aufbaut? 

Thomas: Auf jeden Fall. Ich gehe im Gegensatz zu früher jetzt jeden Tag gerne arbeiten. Aber ich gestehe, ich weiß nicht, ob das jeden Tag nur an Max liegt. 

Max: Ja, es ist schon wie spielen – harte Arbeit, aber das Gefühl ist oft wie spielen. Weil man niemanden außer uns beiden was schuldig ist.

Lebt ihr auch den Traum des New-Work-Modells also mit flexibleren Arbeitszeiten, Remote-Work und Vier-Tage-Woche?

Thomas: Nein, definitiv noch nicht. Also wir wollen dahin. Aber aktuell machen wir eher das Gegenteil und sind einfach zwölf Plus Stunden im Office. 

Max, hast du Tipps für junge Kreative, die sich auch überlegen, selbstständig zu machen?  

Max: Erstmal muss ich sagen, wenn’s einfach wär, würde es jede*r machen. Man braucht mentale Stärke und muss viel Arbeit reinstecken. Wer aber kontinuierlich weiterarbeitet, ab und zu sich selbst hinterfragt und gleichzeitig nie den Glauben an sich selbst verliert, der kann eigentlich nicht scheitern.

© Anna Lena Wagner

Würdet ihr was anders machen? 

Thomas: Nein, bisher nicht. 

Und wie sieht die Zukunft für snorre und euer Business aus? 

Max: snorre ist erst der Anfang. Sozusagen das spielerische Ausprobieren der Praxis, wie man etwas von einer Idee zu etwas Verwertbarem macht. Durch niedrige Start-Investitionen haben wir ein geringes Risiko. Durch das, was wir von snorre lernen, können wir später auch größere Projekte angehen und so Anfängerfehler verhindern.

Thomas: Ziel ist es natürlich, zu wachsen und für den Anfang einmal nicht mehr selbst die Pakete zur Post tragen. 

Also wollt ihr Leute einstellen? 

Max: Ja, mit unseren Vorhaben werden wir irgendwann weitere Mitarbeiter*innen brauchen. Wir bekommen aktuell viel Unterstützung von Freund*innen in den Bereichen Social Media, Content Production, Graphic Design und bald auch in der Produktion. Das können natürlich Freund*innen sein oder neue Menschen, die dann hoffentlich Freund*innen werden.

© Anna Lena Wagner

snorre ist mehr als nur ein Start-up für Max und Thomas. Ihr Ziel ist es, gemeinsam eine nachhaltige Sache aufzubauen, auf die sie stolz sein können. Mit snorre vereinen sie soziale Gerechtigkeit, da die Produkte bei der Caritas zusammengebaut werden, den Umweltaspekt –  da sie alte Lattenroste upcyclen – und Design. Dass ein Unternehmen  mit einem Freund aufbauen noch mehr Spaß macht, beweisen sich Max und Thomas jeden Tag. 

Über Max und Thomas

Max und Thomas kennen sich seit der Schule und haben 2021 ihr gemeinsames Unternehmen gegründet. Max ist Architekt mit der Vorliebe für Handwerkliches. Thomas war Business Consultant und hat Marketing studiert. Mit snorre, einem Pflanzenstativ aus ausgemusterten Lattenrosten, vereinen sie Umweltschutz und Design. Die außergewöhnlichen Pflanzenständer verkaufen sie online

Über Lena

Die Kärntnerin mit Chicago-Big-City-Life-Wurzeln ist immer auf der Suche nach interessanten Geschichten und Menschen. Hat es vom Politikwissenschaftsstudium über die Print-Redaktion und der Liebe zu Online-Formaten und kreativem Schreibens zu BAM! verschlagen.