From the bottom to the top: Wie die Jogginghose zum Statussymbol wurde

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In unserer eigenen, heißgeliebten Jogginghose vor dem Bildschirm sitzend und der Boden der Chipspackung immer näherkommend, erleben wir unseren Sherlock-Moment: Was hat es mit der kontroversesten aller Hosen auf sich? Wie kam es zum Fame unseres komfortablen Begleiters?

Heute reden wir über Karl Lagerfelds langjährige Hassliebe. Nein, es geht nicht um den skandalösen Dandy de l’ombre Jaques de Bascher. Die Rede ist von jenem Kleidungsstück, welches vor einigen Jahren noch vom Modegott selbst als Zeichen der Niederlage geshamed und nun sogar einen Ehrenplatz im Lagerfeld-Onlineshop bekommen hat: Die Sweatpants aka Slacks aka Jogginghose.

Wahrscheinlich geht es uns allen ähnlich wie Karl. (Jap, First-Name-Basis mit unserem Homie, den wir eigentlich irgendwie gar nicht mehr so leiwand finden, aber dazu vielleicht ein anderes Mal mehr).

Seit der epischen Filmszene aus Rocky, in der sich Silvester Stallone im grauen Trainingsanzug von Broke zu Fame strampelt, sind die Sweatpants sowieso der Drip für all jene, die es von ganz unten nach oben geschafft haben.

via Giphy
© BAM! | Marietta Dang

Kurze Zeit später war die Jogginghose auch schon nicht mehr aus der Grundausstattung vieler Gangsterrapper wie beispielsweise Farid Bang und Kollegah wegzudenken.

An dieser Stelle ein kurzes Schulterklopfen an alle Schlauköpfe, die daran gedacht haben, ihr „Ghetto“-Image als Verkaufsmasche zu verwenden: This is pure marketing porn!

Selbst trägt man sie entweder nur zum Laufen gehen… oder eben zuhause auf der Couch.

Naja, seit Miss Rona sind wir dort ja auch die meiste Zeit. Zuhause, nicht beim Laufen – Let’s be real. Das haben auch große Massenware-Produzenten wie Urban Outfitters und H&M mitbekommen, und machen das Nischenprodukt der Aufsteiger*innen zum Mainstream.

Zugegeben, das machten sie auch schon vor 2020, aber so richtig in your face war es eben erst 2020.

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Der sogenannte Athleisure Trend zeigt sich als Hybrid aus Business Casual und Sportswear, der die zunehmende Freude an Gesundheit und Fitness widerspiegelt. Seither sieht man auch im Business-Life viele Kleidungsmarken, die den Athleisure Trend aufgreifen und die Jogginghose bürotauglich machen.

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Jogginghose als Big Flex?

Üppige Körperfülle in der Antike, schnelle und teure Autos in den 40ern und 50ern bis hin zu Pelz- & Diamantenkolliers in den 80ern: Statussymbole existieren, seit es Menschen gibt.

In unserer Gesellschaft des materiellen Überflusses werden Statussymbole wie Luxusautos, Yachten und Kreuzfahrten jedoch immer mehr wegen ihrer Auswirkungen auf das Klima beäugt. Für Millennials und Gen Z sind sie oft nur ein Zeichen von Zerstörung und Verschwendung. (Gen Z would drive the luxury car ironically though)

Dank Superreichen wie Bill Gates und Mark Zuckerberg wissen wir, dass wir zeigen, was wir haben, indem wir nicht zeigen, was wir haben. Gezielte Understatements sind The New Luxury. (Wenn es einen Begriff für so etwas wie Social Appropriation gäbe, wäre er hier einzusetzen.)

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Was das für uns bedeutet?

Dank dieses Paradigmenwechsels können wir entspannt abwarten, bis Jeff Bezos und Co. unsere Gleichgültigkeit aufschnappen und aus dem starken Bedürfnis heraus, sich casual und relatable zu geben, einen neuen Trend kreieren.

Wir können uns getrost auf unserem Sofa räkeln und die nächste Chipspackung aufreißen. Für die heutige Instagram Story brauchen wir uns nicht mal mehr zu frisieren, und unsere Jogginghose tut’s auch.

Über Marietta

Die gebürtige Wienerin hat der Vorstadtidylle Lebwohl gesagt, um im bunten Hernals zu leben. Nun kann sie ihrer Leidenschaft als Visual Storyteller nachgehen und genießt neben ihrer Anbindung an die Kunst- & Theater-Szene auch den Schokoladenduft der nahegelegenen Mannerfabrik. In ihrer Freizeit findet man die Halbvietnamesin hinter Philosophiebüchern und einem Teller Sommerrollen, oder auf @mariettadang.