„I want you to panic“ – Funktioniert so die Kommunikation von Fridays for Future?

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Wie gelang es Fridays for Future eigentlich, durch ihre Art der Kommunikation, Millionen junge Menschen auf der ganzen Welt zu mobilisieren? Kommunikationsforscher Jörg Matthes, der beim Bank Austria Nachhaltigkeitstalk gemeinsam mit Veronika Winter von Fridays for Future Austria über dieses Thema gesprochen hat, gibt uns dazu einen kurzen Einblick. 

 

Fridays for Future ≠ Moderne Politik

Grundsätzlich ist es so, dass sich junge Menschen zunehmend nicht mehr von der modernen Politik, wie sie durch Parteien und Politiker*innen repräsentiert wird, angesprochen fühlen. 

Fridays for Future knüpft hier an und tut in der Kommunikation genau das Gegenteil von dem, was die moderne Politik verspricht.

 

Fridays for Future…

1. …verlangt die große, konkrete Veränderung. Genau dies vermag die moderne Politik weder zu versprechen noch zu leisten.

2. … fordert den Wandel jetzt und nicht später. Die moderne Politik sieht einen Wandel meist erst schrittweise oder in Dekaden.

3. … spricht Gefühle an. Emotionen wirken authentisch und stecken bekanntermaßen an. Die Mischung aus Angst und Ärger ist mitverantwortlich dafür, dass Fridays for Future so gut funktioniert. 

© Fridays for Future Vienna

Das Phänomen Greta Thunberg 

Viele Medien greifen heutzutage aufgrund von Kommerzialisierung vor allem die Ereignisse und Nachrichten auf, die zu einer Steigerung des eigenen Publikums führen könnte. Personalisierung, Emotionalisierung und Konfliktorientierung spielen in der Berichterstattung dabei eine große Rolle. Greta Thunberg bediente genau das: Sie lieferte eine Story, die Journalisten gerne aufgreifen.

© Fridays for Future Vienna

“Eine junge Frau mit einem Pappschild in den Händen lässt sich besser erzählen als eine wissenschaftliche Studie zum Klimaschutz.”

Jeder kann diese persönliche Geschichte verstehen, auch Menschen, die sich nicht für Klimathemen interessieren. Zudem spricht Greta gezielt Emotionen an, was ihre Kommunikation authentisch macht. Sie macht den Konflikt deutlich, da sie klare, einfache Lösungen fordert. 

© Fridays for Future Vienna

Fridays for Future als Selbstläufer?

Jörg Matthes glaubt, das Fridays for Future nicht mehr weggehen wird. Um weiterhin erfolgreich Tausende junge Menschen zu mobilisieren und ein Sprachrohr der jungen Generation zu sein, muss Fridays for Future seiner Meinung nach in Zukunft nicht viel tun, außer den eigenen Prinzipien treu zu bleiben.

© Fridays for Future Vienna

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Über Jörg Matthes

Univ.-Prof. Dr. Jörg Matthes ist Kommunikationsforscher und Vorstand des Instituts für Publizistik an der Universität Wien. Seine Fachgebiete umfassen die Werbe- und Wirkungsforschung sowie die politische Kommunikationsforschung.