10 Mythen über den Zero Waste Lebensstil, mit denen wir endlich aufräumen

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Hast du dich schon mal mit Müllvermeidung und Ressourcenschonung auseinandergesetzt? Dann bist du bestimmt auch schon über den Begriff Zero Waste gestolpert. Unter dem Hashtag gibt’s auf Instagram über 10 Millionen Beiträge, viele (scheinbare) Öko-Unternehmen werben mit dem Begriff und Zero Waste Vereine rund um die Welt bekommen immer mehr Mitglieder. Ohne Müll zu leben ist nicht nur hip, sondern eine echte Klimaschutzbewegung. Kein Wunder, dass da so einige Zero Waste Mythen kursieren, die es schleunigst aufzuklären gibt. 

1. Wer Zero Waste lebt, kommt komplett ohne Müll aus. Nein

Die Philosophie der Zero Waste Bewegung ist nicht so krass wie der Name. Es geht vielmehr darum, Verpackungsmüll einzusparen und Ressourcen zu schonen, als gar keinen zu produzieren. Ein besseres Wording wäre daher wohl „Less Waste“. Leider hat sich dieser Begriff aber noch nicht so toll etabliert.

Folgt man der 5Rs-Methode von Bea Johnson (auf Deutsch: Ablehnen, Reduzieren, Wiederverwenden, Recyclen und Kompostieren) kann abhängig von den eigenen Bedürfnissen einiges an Müll eingespart werden. Aber keine Sorge, auch die ganz Großen dieser Bewegung produzieren noch immer Müll. Die Pionierin Bea Johnson selbst hält immer wieder ihr kleines Glas mit nicht recyclebarem Müll in die Kamera. Auch die Aktivistin und Gründerin Laura Singer präsentiert auf Instagram immer mal gerne, wie wenig Müll sie konsumiert hat.

Auch wenn der Müll der beiden erschreckend wenig ist, heißt es: es ist okay Müll zu produzieren. Du brauchst dafür auch kein Mason Jar. Wenn du selbst Erfolge in deinem täglichen Reduzieren von Müll erkennen kannst, bist du am richtigen Weg.

© Mira Nograsek

2. Ein Zero Waste Leben ist besonders teuer. Jein

Bio-Läden und verpackungsfreie Supermärkte sind bekannt für ihre hohen Preise. Vergleichen wir Discounter-Produkte mit denen in Unverpacktladen, sehen wir hier klar einen großen Preisanstieg. Wenn du aber bisher Bio-Produkte im normalen Supermarkt gekauft hast, dann wirst du beim Greißler, wo du unverpackte Bio-Produkte bekommst, kaum einen Unterschied spüren. Kaufe bewusst ein und nur das, was du tatsächlich brauchst. Dadurch sparst du nicht nur Geld, sondern verhinderst auch Lebensmittelverschwendung.

© Mira Nograsek

3. Am Land ohne Unverpacktladen kann man nicht auf Plastik verzichten. Nein

Natürlich kommt es immer ganz drauf an, wo man am Land wohnt. Aber in den meisten österreichischen Ortschaften gibt es irgendwo in Fahrradfahr-Nähe einen Bauernhof mit Ab-Hof Verkauf. Das heißt, du hast es eigentlich noch besser als die Großstädter*innen. Du kannst direkt beim Produzenten einkaufen und siehst, wo deine Lebensmittel herkommen. Außerdem gibt es auch am Land Wochenmärkte, wo du Produkte in eigene Behältnisse abfüllen lassen kannst.

Wenn du dich mehr als Aktionist*in siehst, kannst du dich auch der „Plastik Attacke“ anschließen und so gegen die Müllberge in den Supermärkten protestieren. Lasse dafür Verpackungsmaterial von Lebensmittel und Co. (zum Beispiel von Paprika, Tomaten oder Zahnbürste) einfach im Laden zurück.

 

4. Ein Zero Waste Leben ist besonders zeitintensiv. Jein

Wo bekomme ich Klopapier ohne Plastikverpackung? Wie mache ich Creme-Deo selber? Und welche Seife macht meine Haare nicht nur sauber, sondern auch noch schön? Jede Person, die sich mal mit einem Zero Waste Lebensstil befasst hat, wird sich diese oder ähnliche Fragen schon gestellt haben. Die Recherchen am Anfang sind ganz schön zeitraubend. Wir starten quasi bei Null und befassen uns mit Alltagsprodukten, von denen wir bis dato noch nie etwas gesehen oder gehört haben.

Aller Anfang ist schwer, so auch bei einem Zero Waste Lifestyle. Nach ein oder zwei Monaten hast du aber den Dreh raus, deine Lieblingsprodukte gefunden und kannst ohne Zeit zu verlieren schnell mal nebenbei eine DIY Creme-Deo anrühren, am Heimweg von der Arbeit schnell mal beim Unverpacktladen vorbei gehen, wo es das Klopapier ohne Plastik gibt und hast auch die Haarseife deines Vertrauens bereits in den Händen.

5. Zero Waste bedeutet Verzichten. Nein

Der Blick in den eigenen Müllkübel offenbart schnell, wie viel unnötigen Verpackungsmüll wir tagtäglich nach Hause bringen. Aber darauf verzichten möchten wir auch nicht, denn das würde bedeuten: Keinen Frischkäse, keine Chips und kein Sushi to Go.

Der Zero Waste Lebensstil soll aber auf gar keinen Fall Selbstgeißelung forcieren, vielmehr lädt er ein, neue Möglichkeiten zu entdecken und Alternativen zu finden. Hol dir Frischkäse im Pfandglas beim Bauernmarkt oder im Unverpacktladen. Backe Kartoffelchips einfach selbst und frag beim Sushi Restaurant, ob du deine Bestellung auch in der eigenen Lunch Box mitnehmen kannst.

© Mira Nograsek

6. Einwegglas ist umweltfreundlicher als Verpackung aus Plastik. Nein

Plastik ist wohl der Antagonist in jeder Umweltschutzdebatte. Nicht zu Unrecht, immerhin wird Kunststoff aus der endlichen Ressource Erdöl hergestellt und ist verantwortlich für die Verschmutzung und das Sterben von hunderttausenden Meeresbewohner*innen und über eine Million Seevögel. Da ist es kein Wunder, dass wir im Regal lieber zum Gemüseaufstrich im Einwegglas als in der lästigen Plastikverpackung greifen.

Landet das Glas, nachdem wir den Aufstrich aufgefuttert haben, dann aber direkt im Altglas, ist der ökologische Fußabdruck von unserem Einkauf nicht gerade klein. Auch Glas besteht aus einer endlichen Ressource, und zwar Sand. Zwar kann man Glas wieder recyclen, damit ist allerdings ein enormer Energieaufwand verbunden. Außerdem ist der Transport von Glas im Gegensatz zu Plastikprodukten viel aufwendiger und braucht durch sein Gewicht auch mehr Treibstoff.

7. Aludosen sind umweltfreundlicher als PET Flaschen. Nein

Gemeinsam mit dem Einwegglas sind Aludosen die Schlusslichter der ökologischen Verpackungen. Alu verbraucht ähnlich wie Glas extrem viel Energie bei der Herstellung und im Recycling. Dosen für Bohnen, Fertigprodukte und Co. sind außerdem oftmals innen mit Plastik beschichtet, was den Recyclingvorgang noch mal erschwert. Wenn PET Flaschen fachgerecht entsorgt und somit recycelt werden können, ist die Kunststoffflasche eine bessere Wahl als die Aludose. Die beste Lösung aus ökologischer Sicht ist allerdings immer die Mehrweg-Glasflasche

© Mira Nograsek

8. Bio-Plastik kann ich problemlos im Übermaß kaufen und entsorge ich im Bio-Müll. Nein

Kunststoff, der als Bio-Plastik bezeichnet wird, ist nicht immer biologisch abbaubar und hat deshalb auf dem Kompost oder im Bio-Müll nichts verloren. Das Bio-Plastik kann aus nachwachsenden Ressourcen gewonnen werden, wie etwa Mais oder Zuckerrohr. Dabei ist Gen-Manipulation keineswegs ausgeschlossen.

Genauso gut kann das Bio-Plastik ein Produkt aus petrochemischen Grundstoffen sein. Oftmals werden die Rohstoffe auch miteinander vermischt. Bei dem Begriff „biologisch abbaubar“ ist nicht immer gemeint, dass das Produkt am Kompost zerfällt, sondern oft muss hoher Druck oder hohe Temperaturen bei der Verwertung mithelfen. Grundsätzlich gilt auch Bio-Plastik so gut es geht zu vermeiden und der Wegwerfkultur entgegenzuwirken, um Ressourcen und Energie zu sparen.

 

9. Zero Waste ist unhygienisch. Nein

Dein Einkauf ist immer so unhygienisch wie dein eigener Mehrwegbehälter, den du in den Unverpacktladen mitbringst. Daher hast du selbst in der Hand, ob dein frisch gekaufter Käse noch Essensreste dran hat oder nicht. (Wobei die netten Mitarbeiter*innen in den Zero Waste Shops dir dabei sicher empfehlen würden, ein anderes Behältnis zu verwenden.)

Aber auch im eigenen Haushalt kommt oft die Frage auf, ob Seife, selbstgemachtes Putzmittel und Waschmittel aus Kastanien wirklich sauber machen. Wir sind starke Chemikalien gewöhnt, die unsere Kleidung nicht nur säubern, sondern auch noch bleichen und parfümieren.

Kein Wunder, dass da Zweifel aufkommen, wenn wir mit natürlichen Produkten waschen. Aber keine Sorge. Seife und Co. sind jahrhundertealte Garanten für hygienische Sauberkeit.

© Mira Nograsek
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10. Individuelle Kaufentscheidungen bewirken nichts, denn die Politik muss etwas ändern. Jein.

Es soll nicht die Aufgabe der Konsument*innen sein, die Entscheidung zu treffen, mit welchem Produkt sie Gutes tun und mit welchem Schlechtes. Politische Maßnahmen gehören auf jeden Fall gesetzt. Nichtsdestotrotz sind wir momentan an einem Punkt angelangt, wo jede*r mithelfen muss, um das Klima zu retten.

Wir müssen in diesem Zusammenhang aufhören als Individuen zu denken. Nicht du oder ich überdenken unseren Müll-Konsum, sondern wir als Gesellschaft. Denn als einzelne Person hat noch nie jemand eine Revolution gestartet. Heute ist es noch dazu einfacher, andere Menschen mit unseren Ideologien zu erreichen. Behaltet euren Zero Waste Lebensstil nicht für euch. Redet darüber, mit Freunden, Familie und auf Social Media. Je mehr Leute damit erreicht werden, desto größere Schritte können wir damit machen.

Zusatztipp: Wir haben einen hilfreichen Artikel für dich, der dir hilft, deine eigene Stimme zu finden und damit die Welt zum positiven zu verändern. Unbedingt lesen!

Für die erste Umstellung mag ein Zero Waste Lebensstil ganz schön erdrückend wirken, einiges an Zeit in Anspruch nehmen und dich im Supermarkt oft ratlos vor dem Regal stehen lassen. Mit der Zeit wirst du aber merken, dass du schnell neue Lieblingsprodukte gefunden hast, das Entdecken neuer Läden und Lebensmittel auch Spaß machen kann und dass du nicht alleine mit deinem Handeln bist. 

Über Mira

Vom Shopaholic zur Konsumverweigerin, von der leidenschaftlichen Fleischesserin zur Veganerin, von der Vielfliegerin zur Öffi-Liebhaberin und von der Werbegeprägten zur Skeptikerin. Der Umwelt zu Liebe hat Mira ihren Lebensstil vor sechs Jahren auf den Kopf gestellt und teilt seither ihre Erfahrungen rund um ihren Versuch einen nachhaltigen Alltag zu führen auf ihrem Blog roedluvan.at